Aktives Zuhören

Aktives Zuhören

Aktives Zuhören ist die zentrale Gesprächsführungstechnik, welche auf der Empfängerseite der Verbesserung der Kommunikationsführung dienen kann. Auch seine Bedeutung für die Führung (Gordon 1972, 1977) und  zwischenmenschliche Kommunikation im Allgemeinen (Schulz von Thun 1981) wurde erkannt.

Wenn man sich überlegt, wozu man schon simples zuhören einsetzt, so ergibt sich schon eine ansehnliche Liste. Das aktive Zuhören ist ein weiterer Schritt. Aber fangen wir erst einmal mit einigen Beispielen für das generelle Zuhören an:

  • Informationen erhalten
  • Neue Perspektive
  • Rapport, persönliche Bindung aufbauen
  • Neugierde
  • Herausfinden, was das Gegenüber denkt.
  • Zur Unterhaltung
  • herausfinden, wo man steht
  • Erkennen der Entwicklung einer Situation
  • brauchen die andere Person, um mit Ihnen zuzustimmen.
  • Gehört werden.

In diesen Beispielen geht es hauptsächlich um das reine Zuhören. Aber auch hier zeichnet sich bereits ab, dass der reine Wortlaut uns nicht wirklich weiterbringt und es sich auch nicht nur um eine einzelne Form des Zuhörens handeln kann.

Zuhören als geistige Aktivität

Man kann Zuhören als eine geistige Aktivität bezeichnen, bei welcher man denken, fühlen, Eindrücke gewinnen und verstehen muss. Psychologisch könnte man sagen, dass es die Dynamik zwischen zwei Menschen verändert.

Man kann gutes Zuhören durch Übung schulen, was sich lohnt.

Professor William Ury, Professor an der Universität Harvard hat untersucht, welchen Einfluss gutes Zuhören in Verhandlungssituationen hat.

Verhandlungserfolg durch aktives Zuhören

Schneller Verhandlungserfolg

Demnach kommen gute Zuhörer schneller und effizienter zu einem guten Verhandlungserfolg als diejenigen, welche sich vor allem auf ihre eigenen Argumente fokussieren. Dies ist verständlich, denn erst wenn man versteht, was der Gesprächspartner denkt und warum, macht auch der Versuch Sinn, den anderen umzustimmen.

Echtes Zuhören kräftigt zwischenmenschliche Bindungen, denn jeder Mensch möchte gehört und verstanden werden. Es ist eine Grundvoraussetzung für eine offene und lösungsorientierte Verständigung.

Aktuelle Studien von Neurowissenschaftlern der Universität Harvard zeigen, dass beim Reden die gleichen Gehirnareale aktiviert werden wie bei den existenziellen Themen Nahrung, Geld und Sex. Es gibt somit, wissenschaftlich betrachtet, scheinbar kaum etwas Befriedigenderes für unser Gehirn als sich verbal über den letzten Urlaub, Hobbys oder die eigenen Kinder auszulassen. Im Umkehrschluss bedeutet es: Wenn wir uns nicht aktiv zurücknehmen, werden wir automatisch versuchen, jede Unterhaltung zu dominieren.

Und nicht nur das: Zuhören ist auch noch anstrengende, harte Arbeit. Während beim Sprechen Energie freigesetzt wird, macht Zuhören müde. Je aktiver man zuhört, sich auf den Redner einstellt und Informationen abspeichert, desto intensiver ist dieses mentale Workout.

Werde ein besserer Zuhörer

Wer ein besserer Zuhörer werden will, muss also einen Prozess durchlaufen. Dieser ist vergleichbar mit einer Ernährungsumstellung oder dem Umstieg auf einen sportlichen Lebensstil ist.

Die Kunst des Zuhörens erfordert auch, dass Du die falsche, also unproduktive Art des Zuhörens vermeidest. Gib also nicht nur vor zuzuhören!

Diese sollten Dir dabei helfen produktiv zuzuhören. Wenn Du beispielsweise zuhörst, um spezifische Informationen zu erhalten, aber das Gespräch ohne diese Information verlässt, war Dein Zuhören nicht erfolgreich. Vielleicht haben beide Parteien auch nur aneinander vorbeigeredet.

Um letzteres zu vermeiden reicht es nicht, wenn Du nur zuhörst;

Du musst auch teilnehmen, um die Diskussion dorthin zu lenken, wo Du sie haben möchtest. Das ist der aktivste Aspekt des Zuhörens: zu wissen, wie man, wenn man dann spricht, seine Worte auf das konzentriert, worauf man gewartet hat.

Praktische Vorschläge

Hier einige praktische Vorschläge. Mit folgenden Fragen kannst Du während des Gespräches Dein Verständnis immer mal wieder checken:

  • Ich fasse kurz zusammen…?
  • Wenn ich es richtig verstehe geht es um…?
  • Mit anderen Worten, Du benötigst…?
  • Sehe ich es richtig, es geht um …..?

Aber auch bei aller Begeisterung und Engagement. Es gibt Situationen in welchen Zuhören auch scheitern kann, wenn:

  • die andere Person nur spricht, um sich selbst zu hören.
  • kein Interesse daran besteht, was Du beizutragen hast.
  • absichtlich Informationen zurückgehalten werden.
  • Dir kein Respekt entgegengebracht wird.
  • Du nur dasitzt und so tust, als ob Du interessiert wärst.

In diesen Situationen ist es sehr schwierig eine schlechte in eine gute Erfahrung zu verwandeln. Es gibt also allen Grund Verluste zu reduzieren und den Raum so schnell wie möglich zu verlassen.

Mache Dich nicht selbst zum Opfer der egoistischen oder gedankenlosen Agenda einer anderen Person. Du setzt Dich damit unnötigem Stress aus.

Natürlich gibt es auch Meetings, Unterrichtsformen und Diskussionen, welche wenig bis keine Chance bieten produktiv zu sein. Als Konsequenz schalten Leute automatisch ab. Dies mag in der ein oder anderen Situation auch sinnvoll sein. Aber die liebe Gewohnheit kann auch dazu führen, dann man, wenn es wirklich wertvoll ist produktiv Zuzuhören, nicht pünktlich wieder sein Gehirn eingeschaltet hat. Und das wäre doch schade, oder nicht?

Denke einfach daran, dass ein wesentlicher Teil des Erfolgs und ein Schlüsselmerkmal großer Führungskräfte die hochentwickelte Fähigkeit  zuzuhören ist, das Gehörte zu beherzigen und entsprechend zu handeln.

Kommen wir nun spezifisch zum aktiven Zuhören. Hier geht es um das genaue Verstehen. Der Begriff stammt ursprünglich von C. R. Rogers aus der humanistischen Psychologie.

Kurze Zusammenfassung der Technik des aktiven Zuhörens:

Der Kern des Gehörten wird vom Empfänger der Nachricht zusammengefasst:

  1. Ich fasse den Kern des Gehörten in eigenen Worten zusammen. Idealerweise nutze ich dabei das Vokabular und nutze die Ausdrucksweise des Senders. Dies hilft sowohl meinem Verständnis, also auch hilft es dem Gesprächspartner seine Gedanken zu ordnen und auf den Punkt zu kommen.
  1. In der Königsdisziplin beim aktiven Zuhören geht es darum Gefühle und Bedürfnisse des anderen zu verstehen und zu spiegeln. Dies hilft vor allem, wenn es Spannungen gibt, bei Kritik und Beschwerden, um das Gespräch konstruktiv zu gestalten.

Da wir möglichst wenige Worte während des Zuhörens einsetzen wollen dienen Blickkontakt, Nicken und Laute (soziales Grunzen) als Signale der Aufmerksamkeit.

Aber auch in dieser Technik kommen wir um Worte nicht herum. Um Punkt 1, das spiegeln der Inhalte gut im Gespräch umzusetzen kannst Du diese Bespiele verwenden:

  • Dir ist wichtig, dass,…
  • Frau X hat ….gesagt?
  • Ich fasse einmal zusammen, was ich verstanden habe…1. ..., 2. …..
  • Du meinst, dass…?
  • Du hast….gemacht?
  • Wenn ich Dich richtig verstehe….
  • Sehe ich es richtig, es geht um….?
  • Du meinst, wenn….?
  • Was Du sagst fasse ich so auf…..

Für das spiegeln der Gefühle kannst Du im aktiven Zuhören folgende Beispiele einsetzen:

  • Du befürchtest, dass…
  • Du bist enttäuscht/wütend, weil….?
  • Verstehe ich es richtig, dass Du Dich übergangen fühlst…
  • Du bist da ganz ratlos…
  • Du fühlst Dich dem Kollegen …/mir fast ausgeliefert…

Aktives Zuhören wirkt sich positiv auf die Beziehung der zwei Personen aus, indem gegenseitiges Vertrauen aufgebaut und gefördert wird. Ebenso können damit Missverständnisse vermieden werden. Und da sich der Sender rascher verstanden fühlt, kann im Gespräch auch Zeit gespart werden.

Aber aktives Zuhören ist als Technik allein auch keine Wunderwaffe. Zudem braucht man für die richtige Anwendung einige Praxis. Hat man sich aber mit der Methode erst angefreundet, kann sie einem helfen ein angenehmes Gesprächsklima für alle Beteiligten zu generieren.

Bei Interesse kannst Du z.B. weiter im Zeitungsartikel der Welt lesen auf http://www.zeit.de/karriere/2016-02/aktives-zuhoeren-kommunikation-verbesserung.

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